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Bild 'Aus den Augen verloren'

Ist der Datenschutz noch für uns da?

Datenschutz fußt ja auf dem Grundrecht der informationellen Selbstbestimmung. Einem Recht, das für Menschen da ist, diese schützen soll, in Vertretung für diese deren Ansprüche und Wünsche auf der großen Bühne, auf der der Einzelne nur eine sehr leise Stimme hat, zur Geltung bringen soll.

Die Maschinerie „Datenschutz“ wird immer stärker, gewaltiger und schafft es endlich zu Relevanz im Alltag der Datenströme und Menschenrechte. Spätestens seit der #DSGVO ist der Datenschutz auch im Bewusstsein der weiten Bevölkerungsschicht angekommen. Das ist sehr gut so.

Ich denke jedoch, dass wir uns auch stark der Grenze nähern, ab der sich diese Maschinerie verselbständigt und das eigentliche Ziel aus den Augen verliert. Wie so ein Wachhund, der seine Berechtigung hat, aber irgendwann das Maß verliert und alles, was sich auch nur leicht bewegt, aggresiv angreift. Das sog. #SchremsII-Urteil aus dem Sommer diesen Jahres ist so ein Beispiel.

Bevor an die Leidtragenden gedacht u an gangbaren Lösungen für diese gearbeitet wurde, wurde laut gebellt und zugebissen. Und plötzlich kann niemand mehr in Deutschland und der EU Microsoft Produkte (oder sonstige Software aus den USA, die cloudbasiert ist) nutzen, ohne sich genau genommen strafbar zu machen. Ja, auch wenn ihr privat Outlook aus dem Paket Office 365 nutzt und mir eine E-Mail schreibt, entbehrt das bereits jeglicher Rechtsgrundlage, denn: https://www.heise.de/news/Datenschutzbehoerden-erklaeren-den-Einsatz-von-Microsoft-365-fuer-rechtswidrig-4931745.html

Es wäre wünschenswert, wenn auf Seiten des Gesetzgebers des öfteren ein Gedanke daran verschwendet wird, wem man mit diesem Vorgehen einen Gefallen tut. Sind diejenigen, für die dieses Gesetz geschaffen wurde, noch glücklich damit? Zielt es darauf ab, das auf der großen Bühne auszusprechen, was die/der Einzelne mit ihrer/seiner leisen Stimme nicht vermag? Diese Perspektive fehlt m.E. komplett und das könnte dahin führen, dass der Datenschutz, der in den letzten Jahren einiges an negativem Ansehen gut gemacht hat, doch wieder riskiert und nicht nur für die zu kontrollierenden Instanzen/Staaten als Klotz am Bein empfunden wird, sondern auch für diejenigen, für die er eigentlich da sein soll.

Kontrolle gerade der großen Konzerne ist gut und wichtig, aber mit Maß und Realitätssinn bitte. Sich zu wünschen, mit einer solchen Entscheidung Druck auf US-Software-Konzerne in der Form auszuüben, dass europäische Unternehmen und Privatnutzer jetzt massenweise auf europäische Alternativen setzen und damit den Druck auf die US-Wirtschaft dermaßen erhöhen, dass dort die Politik in die Gänge kommt und von sich aus auf Gespräche und Lösungen mit der EU drängt, das ist weit weg von allen denkbaren praktikablen Szenarien. Leidtragend sind erst mal nur wir, die Bürger und Unternehmen in der EU. Ich bin gespannt, wie lange wir warten müssen, bis eine langfristig haltbare Lösung geschaffen wird, nachdem sowohl dem Privacy Shield als auch zuvor dem Abkommen Safe Harbor je ein nur recht kurzfristiges Leben vergönnt war. Bin also gespannt, wann endlich die EU aktiv auf Problempartner (in diesem Fall die USA) zugeht und auf eine Lösung drängt, mit der Unternehmen und Menschen der betroffenen Länder gut leben können und nicht das eigene Volk instrumentalisiert.

Clodt’s Rache

Wo sind wir?

Wir befinden uns in Russland, genauer gesagt in St. Petersburg. Die Stadt liegt am Delta des Newa und ist daher mit etlichen Brücken verziert. Auch wenn diese dazu beitragen, so sind sie doch nur ein Teil dessen, was der Stadt ihren so eigentümlichen Charakter und Charme verleihen. Literarische (Meister-)Werke beziehen die Brücken der Stadt auch immer wieder mit ein, sie dienen dort aber auch im heutigen Alltag der Menschen oft als Orientierung.

Ich befinde mich jetzt auf der Anitschkow Brücke. Sie gehört wohl zu den bekanntesten der Stadt, was zum einen daran liegen mag, dass sie den Newsky Prospekt über die Frontanka führt. Die Fontanka ist ein linker Nebenarm der Newa und der Newsky Prospekt ist sowas wie die Hauptstraße St. Petersburg und eine der wohl bekanntesten Straßen in ganz Russland. Allein über sie und das, was alles auf ihr passiert ist, lässt sich ein Geschichtskurs füllen.

Die Brücke ist aber auch wegen der vier auffälligen Statuen bekannt, die ihre vier Ecken schmücken. Wie es zu diesen Figuren kam und welches kleine Geheimnis in einer davon steckt, das ist – so finde ich – eine erzählenswerte Geschichte. Und falls jemand von euch mal dort sein wird, habt ihr hoffentlich Spaß daran und schaut wegen dieser kleinen Geschichte etwas genauer hin.

Historischer Hintergrund

Die erste Brücke wurde dort 1715 erbaut, damals noch eine hölzerne Variante. Doch der Prospekt gewann schon früh an Bedeutung und die steigende Inanspruchnahme durch den Verkehr brachte die Brücke an ihre Grenzen und so musste sie ca. 1840 erweitert werden.

Der Name der Brücke sollte unverändert bestehen bleiben und nach dem Erbauer der ersten Variante Anitschkow lauten. Zar Nikolaus I., der den Neubau beauftragte, wurde auf den deutschen Baron Peter Clodt von Jürgensburg (1805-1867) aufmerksam. Zwar leistete Clodt Armeedienst als Offizier, jedoch war dies nicht seine Leidenschaft und so orientierte er sich eines Tages um und widmete sich der Kunst und hierbei bevorzugt der Bildhauerei. Pferde bildeten dabei durchgehend seine heiße Leidenschaft.

Weitere Details zu dem Hintergrund erspare ich mir, sie sind an vielen Stellen nachzulesen. Jedenfalls wurde Clodt engagiert und hat die mittlerweile berühmten Rossbändiger geschaffen, die heute noch die Brücke zieren.

Wofür Rache? Und wie?

Natürlich war Clodt sehr engagiert und hat sich freudig in die Arbeit gestürzt. Er schuf diese sogenannten Rossbändiger, die den Russen so wichtig wurden, dass sie sie während des zweiten Weltkrieges für einige Jahre im Garten des nahegelegenen Antischkow Palastes vergruben, um sie vor den Angriffen der deutschen Artillerie zu schützen. Die Beschädigungen der Sockel, auf denen die Skulpturen stehen, wurden übrigens absichtlich zum stummen Gedenken an diese Zeit so belassen und können noch immer betrachtet werden.

Jedenfalls war Clodt in der Schaffungsphase sicher nicht mir viel Freizeit gesegnet und es existiert die – nicht belegte – Geschichte, dass seine Gemahlin in dieser Zeit einen Verehrer hatte und ihren Mann mit diesem betrog. Um sich an diesem Liebhaber seiner Frau zu rächen, entschied er sich, dessen Gesicht an dem Hoden eines der Rösser anzubringen.

Wenn ihr mal dort seid, gönnt euch den Spaß und sucht das Gesicht. Auf dem Bild ganz oben ist es relativ gut zu sehen. Ich verrate aber nicht, bei welchem Ross es sich befindet. Schlimmsten Falles müsst ihr alle vier Skulpturen abklappern. Aber seid beruhigt, die Brücke ist nicht so groß.

Grundlegend macht St. Petersburg Lust auf Kunst, da diese oft mit heiteren Geschichten und spannenden Geschehnissen verbunden ist. Vielleicht schreibe ich euch auch mal, wieso einige Nasen in der Stadt verstreut sind…

Deutsche Cloud Anbieter sind die besten – yay! …

Soeben habe ich diesen Artikel gelesen: Deutsche Cloud Anbieter

Die Stiftung Warentest hat hierbei Cloud-Anbieter getestet und als Sieger gingen der Online-Speicher von Web.de und die Magentacloud der Telekom hervor. Diese hängten sogar die Größen wie Google Drive, Dropbox, iCloud oder OneDrive ab. Ist das nicht überraschend?

Jedoch muss natürlich auch verstanden werden, wieso das so gekommen ist. Beim Weiterlesen wird klar, dass Datenschutzrichtlinien den Ausschlag geben. Mängel in der Datenschutzerklärung, den Nutzungs- oder Geschäftsbedingungen sorgen dafür, dass in diesem Ranking, diejenigen mit der besten Handhabungsnote und sehr guter Technik auf die letzten Plätze geschubst werden.

Ich hoffe, das sorgt nicht dafür, dass sich die deutsche Technik nun auf diesem Datenschutz-Texte-Vorsprung ausruht. Ich weiß nicht, wie es in eurem Bekanntenkreis ist: kennt ihr jemand, der die Web.de-Cloud nutzt? Ich kenne iCloud-Nutzer, Google Drive Nutzer, Dropbox-Nutzer.

Hier zeigt sich wieder das dicke Grundproblem der Datenschützer: es ist eine sehr schwere Aufgabe, Nutzer davon zu überzeugen, sich vor etwas schützen zu lassen, vor dem sie gar nicht geschützt werden wollen. Was nutzt mir denn ein guter Datenschutzhinweistext, wenn ich meinen Cloudspeicher nicht gut in anderen Services integrieren kann? Handhabung und Technik, die mir die Nutzung Platformübergreifend so einfach wie möglich machen, das sind die Dinge, die überzeugen.

Ich finde in diesem Test einfach die Gewichtung auf der Datenschutz-Info-Seite zu stark und demzufolge halte ich es für albern hier mit dem Titel „Die besten Clouds kommen aus Deutschland“ anzukommen. Denn für mich sind sie das bei weitem nicht. Noch nicht, es gibt ja Hoffnungsträger…

Zaubercoin

Ich war heute auf einer Fortbildung in Frankfurt. Diese war früher beendet als geplant und so musste ich noch etwas Zeit am Bahnhof totschlagen. Da ich hungrig war, hat mich das große gelbe M angezogen. Kaum dass ich mich mit meinem roten Tablett an dem auserwählten Tisch niederelassen hatte, kam ein ungepflegter, stoppelbärtiger Mann um die Ecke und sagte mit rauher Stitmme in die Runde: „Tschuldigung, hat jemand vielleicht zehn Cent?“

Kaum zu Ende gesprochen, fällt hinter ihm eine zwanzig Cent Münze auf den Boden. Ich habe nicht gesehen, wo die her kam, aber offensichtlich von ihm selbst, denn es war niemand sonst in der Nähe.

Ich hatte den Eindruck, dass die einzige Bewegung der anwesenden Personen mein sich hebender Kopf und mein sich ausstreckender Arm mit Fingerzeig auf die Münze war. Alles sonst, er selbst und die anderen Hungrigen, rührten sich nicht und beachteten weder ihn noch die Münze. Ich sagte: „Da sind zwanzig!“. Darauf drehte er sich verwundert um, hob das Geld auf und ging wortlos langsamen Schrittes davon.

ge-Ahnt

Ich habe seit einiger Zeit steigendes Interesse daran, meine Herkunft genauer zu beleuchten. Das bezieht sich auf mehrere Aspekte: Wo liegt der Ursprung meines Familiennamens? Was ist der historische Background für die Auswanderung, die meine Vorfahren im 18. Jhd. vollzogen haben? Wer sind überhaupt meine Vorfahren, bis in welche Generation kann ich das noch nachvollziehen und noch ein paar Details mehr interessieren mich.

Angefangen habe ich damit, das bereits erfasste Wissen bezüglich meiner Ahnen aus unterschiedlichen Quellen zusammenzuführen und in einem geeigneten Programm zu erfassen. Allein das dauert nun schon drei volle Tage an und ich bin immer noch bei der Ahnenreihe meines Vaters. Von meiner Mutter habe ich außer ihr selbst noch immer nichts erfasst. Wie soll das bloß weitergehen, wenn die freien Weihnachtsfeiertage wieder vorbei sind? 😉

Jedenfalls ist diese Arbeit auf unerwartete Weise viel spannender als ich es gedacht hätte. Mein Eindruck ist, dass ältere Menschen mehr über dieses Thema und speziell ihre Vorfahren sprechen, als die Jungen. Und die Alten erzählen gerne davon, auch wenn sie sich dabei wiederholen. Indigene Völker legen auch meist sehr großen Wert darauf, die Geschichte ihrer Herkunft an die jungen Generationen aktiv weiterzugeben. Oft werden diese Erzählungen in Riten verpackt und ihnen wird etwas magisches bescheinigt.
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paradox

Habe gerade einen alten Entwurf gefunden, der hier noch so herumgeisterte. Er stammt aus April 2009 und ich erinnere mich an diese Zeit. Heute muss ich sagen, dass dieses Phänomen nachgelassen hat und ich an diesen beschriebenen anstrengenden Tagen auch ausgepowert und energielos in den Feierabend gehe. Damals aber war es tatsächlich noch etwas anders, seht:

Ein interessanzes Phänomen, wie ich finde:
es gibt Arbeitstage, die sind ganz normal: nicht zu nervig, nicht sehr stressig und auch nicht außergewöhnlich anstrenegend. Dann die anderen, die richtig auslaugen, die ein fast unlösbares Problem nach dem anderen hervorbringen, viele Fehlentscheidungen, viele Momente, in denen ich veräußern muss, hinter was ich nicht wirklich stehe, und es sind auch genau diese anstrengenden Tage, die immer länger dauern, als der Durchschnitt.
Was mich aber verwundert: genau an diesen ’schweren Tagen‘ bin ich nach Feierabend viel geladener als an den anderen. Die Tage, die mich also kaputter und eigentlich ausgelaugter machen, das sind die Tage, an denen ich Abends noch unbedingt weg will, an denen ich sehr aufgedreht bin, an denen ich also überschüssige Energie habe, die irgendwie raus muss…
Wenn ich mich mit Arbeitskollegen darüber unterhalte, dann merke ich, dass ich nicht der einzige bin, der aus auslaugenden Tagen mit mehr Energie rausgeht als aus normalen.

Es lebe die Schwere!

Cybermusic

Manchmal, da starte ich meinen Winamp-Player, suche die meiner Stimmung entsprechende Musik aus und dann, manchmal eben, starte ich ne hippe Visualisierung auf meinem ach so breiten Bildschirm, wähle meinen Augen-Screen-Abstand so, dass mein Sichtfeld von dem farbigen Raum gefüllt ist und dann, ja dann, dann fliege ich manchmal davon!

Keine Sorge, ich bin nicht abhängig, ich kann jederzeit aufhören und mache es auch nicht so oft und auch nicht so lange am Stück. Ich hab’s unter Kontrolle!

Aber den Fug, den genieße ich schon…