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remarkable2

Meine ersten Wochen mit dem Papertablet remarkable2

Als ich im Freundeskreis davon erzählte, dass ich nun mein remarkable2 Papertablet erhalten habe, kam von erstaunlich vielen Seiten der Ausruf, dass die Idee und der Wunsch nach diesem Gerät in den Köpfen schwirrt, dass aber die Kosten doch abgeschreckt haben. Es sei sehr interessant zu hören, ob ich es nach einigen Wochen noch genauso nutze wie in der anfänglichen Euphorie.
Nun ist es drei Wochen her, seit ich es habe und nutze, und so werde ich nun hier ein wenig darüber berichten, wie es mir damit ergeht.

Ich möchte zunächst Plus- und Minuspunkte gegenüberstellen, die mir persönlich erwähnenswert erscheinen, dann erzählen, wie ich es nutze und wie sich meine Nutzung vom Anfang bis jetzt geändert hat. Abschließend werde ich fazitieren.[1] Die Infos vom Hersteller selbst könnt ihr euch auf dessen Seite ansehen: https://remarkable.com/

Vorteile

> Schreibgefühl
Es ist wirklich gut, die Hand kann problemlos aufgelegt werden, nichts schmiert, auch bleiben keine störenden Fettrückstände von der Hand.
> Stiftarten
Es gibt eine ausreichende Auswahl an Stiften, mein Favorit ist der Kalligrafie Stift für Überschriften und der Highlighter um Kernworte zu markieren.
> Einschubmöglichkeit und damit die Verschiebbarkeit sowie die Copy & Paste Möglichkeit (dazu unten mehr)
> Magnethalterung für Stift und Case
Ich lege den Stift aus der Hand nie auf den Tisch, sondern klemme ihn immer an das Tablet an, damit verliere ich ihn nicht.
> Rutschfeste Tischauflage durch 4 Noppen.
> Langanhaltende Akkuladung (bei täglichem Gebrauch aktuell min. 5 Tage).
> Alle Dateien durch Cloud-Sync-Option auf allen Geräten verfügbar.
> Flexibles Handling von Seiten (einfügbar, verschiebbar, löschbar)

Nachteile

> Hoher Preis
> Benutzerunfreundliches Handling von ePubs (e-books) und pdf-Dateien.
> Die Menüleiste ist nicht verschiebbar
> Speicher ist nicht erweiterbar.
Allerdings kann ich aktuell noch nicht sagen, ob die knapp 6.5 GB je zum Problem werden, ich habe aktuell 0,41 GB belegt und schon einiges drauf…
> Ab und zu bleiben Schatten der zuletzt geöffneten Seite zu sehen, was aber nach ein oder zwei re-loads wieder verschwindet.
> Nur QWERY-Tastaturlayout verfügbar.
Da es allerdings nicht oft vorkommt, dass man die Tastatur benötigt, ist das leicht zu verkraften.

Grundlegend seht ihr schon: aus meiner Sicht überwiegen die Vorteile nicht nur quantitativ, auch qualitativ sind die Nachteile nicht von hohem Gewicht. Es bleibt der Preis, den man verkraften muss und ich hatte mir ein besseres Handling von E-Books oder pdfs erhofft. Das Problem hierbei ist, dass man nur mangelhaft zoomen kann. Viele Texte sind einfach in sehr kleiner Schrift verfasst. Ich kann zwar zoomen, aber dann muss ich horizontal scrollen. Da sich die Zeilenbreite nicht anpasst, muss ich das in jeder Zeile machen. Dazu habe ich leider keinen horizontalen Scrollbalken, sondern eine Miniaturansicht der Seite mit einem Rahmen, der den sichtbaren Ausschnitt markiert. Diese Markierung muss ich anstatt des Scrollens zu dem Bereich verschieben, den ich lesen möchte. Während des Verschiebevorgangs der Markierung sehe ich diese nicht, ich ziele also blind. Daraufhin wird der neue Ausschnitt geladen, was eine Sekunde dauert. Das pro Zeile zu tun ist einfach inakzeptabel, sollte man das Ziel haben, ein Buch oder lange Texte zu lesen. Um etwas nachzuschlagen ist es allerdings schon passabel.

Die Sache mit der Menüleiste ist so: diese befindet sich links. Sie lässt sich zwar einklappen, wenn ich aber mal das Radiergummi brauche oder den Stift wechseln will, muss ich sie wieder ausklappen. Ich fände sie unten platziert besser, denn da komme ich nur ein Mal pro Seite hin und damit mit ihr ins Gehege. Links aber bin ich bei jeder neuen Zeile. Ist nicht so sehr schlimm, aber wäre eine bessere Usability in meinem Fall. Das mögen andere aber auch anders sehen.

Alles andere aber muss ich sagen, ist sehr vorzüglich. Ich habe vorher Notizen schon immer viel lieber handschriftlich auf Papier gemacht. Einer der größten Nachteile dieser handschriftlichen Notizen gegenüber der Verwendung eines Computers ist, dass nachträgliche Einfälle nur schwer eingeschoben werden können. Klar gibt es Workarounds, aber einfaches Einschieben ist doch noch die schönste Lösung. Manchmal ist auch die Löschfunktion sehr angenehm. Dies alles geht durch die vorzüglichen Funktionen am remarkable2: Ich kann natürlich Passage einfach löschen, aber ich kann sie auch markieren und dann verschieben, kopieren, vergrößern oder verkleinern. Das schließt die Lücke zu dem Nachteil gegenüber der PC-Eingaben. Dazu muss ich nur eine Linie um den geschriebenen Teil ziehen, den ich markieren will und dann kann ich die erwähnten Schritte sehr benutzerfreundlich vornehmen.

Weitere Vorteile durch die Digitalität sind die Sicherung der Notizen in der Cloud von remarkable, was kostenlos zur Verfügung steht, natürlich funktioniert das Tablet auch ohne Internetverbindung, der Sync wird nachgeholt, sobald man wieder verbunden ist. Notizen können als Bild oder als pdf per E-Mail verschickt werden. Es gibt sogar die Option, handgeschriebenes in Print-Text zu konvertieren und zu versenden. Dieses Konvertieren funktioniert erstaunlich gut, nur an den Zeilenumbrüchen könnte noch etwas gefeilt werden.

Was bei mir noch persönlich als tolle Erleichterung dazu kommt ist Folgendes: mein linker Arm ist gelähmt und so kann ich einzelne Blätter oder leichte Blöcke auf einem Tisch nicht leicht fixieren und habe meist ein Clipboard im Einsatz. Da muss ich die Blätter aber erst mal schön in die Halterung kriegen und natürlich nach jeder gefüllten Seite umdrehen oder austauschen. Das Papertablet ist zwar mit seinen 400g sehr leicht, liegt aber dennoch sehr stabil und durch die vier Hartgumminoppen an der Unterseite rutschfest auf jedem Tisch. Das erleichtert mir das Schreiben gleich nochmal.

Als privaten und auch beruflichen Taskplaner nutze ich das Bulletjournal (kann ich übrigens sehr empfehlen, hier gibt es mehr dazu: https://bulletjournal.com/pages/learn) und bin natürlich auch damit auf das remarkable2 umgestiegen. Es ist grundlegend schon so konzipiert, dass es sehr flexibel ist, jetzt aber ist es das noch mehr.

Ich bin nach wie vor sehr zufrieden damit. Es ist leichter als ein Notizblock A4 und damit problemlos mitzunehmen. Die Hülle sitzt fest, der Stift ebenso, da aber beides magnetisch fixiert ist, ist es ebenso leicht zu lösen. Ich habe, seit ich es besitze, kein einziges Blatt Papier mehr verbraucht und nutze es mehr und mehr.

Für mich also ist es offensichtlich eine lohnende Investition gewesen. Es war der Ersatz für den diesjährig ausgefallenen Urlaub, ich bereue nichts. Vielleicht hilft es dem ein oder der anderen, sich jetzt klar dagegen oder dafür zu entscheiden. Wenn ihr noch Fragen habt, dann lasst einfach hören!


[1] Ja ich weiß, das Wort gibt es nicht, jetzt aber jetzt ist es auf einmal da…

Ende von Ende-zu-Ende?

Erinnert ihr euch? Im Sommer diesen Jahres erst wurde der Privacy Shield der USA als datenschutzrechtlich unwirksam abgestraft. Ich habe das ganze Prozedere in „Ist der Datenschutz noch für uns da?“ etwas genauer beschrieben. Letztlich aber möchte ich hier nochmal festhalten, dass die EU diese Entscheidung in erster Linie deswegen getroffen hat, da US-amerikanische Behörden (insbesondere Geheimdienste) sich in Fällen, die von ihnen selbst als wichtig im Kampf um die Staatssicherheit definiert wurden, Zugriff zu personenbezogenen Daten verschaffen kann und IT-Unternehmen verpflichtet sind, diese preiszugeben. Auf theoretischer Ebene möchte ich diese Entscheidung gar nicht bewerten, auf praktischer habe ich das in besagtem Artikel bereits getan.

Leider bewertet die EU diese Entscheidung jedoch selbst durch ihr aktuelles Verhalten. Wenn ich einem anderen verbiete, etwas zu tun und sage, das ist böse, dann kann ich doch nicht ernsthaft kurz danach genau das selbst tun. Wenn doch, dann habe ich entweder andere Beweggründe für mein Verbot gegenüber dem anderen gehabt als „das ist böse“ oder aber ich in selbst böse. Beide Varianten lassen mich nicht in gutem Licht dastehen.

Es ist nach den jüngsten terroristischen Anschlägen in Frankreich und Österreich nun so, dass die EU die Ende zu Ende Verschlüsselung in Frage stellt und – natürlich nur in besonders gefährdenden Fällen – IT-Unternehmen dazu verpflichten will, Verschlüsselungen (etwa in Chats) zu verhindern und die Daten an Sicherheitsbehörden weiterzugeben. Wo ist der Unterschied zu dem Verhalten der USA, das zu dieser weitreichenden Entscheidung bezüglich des Privacy Shield geführt hat?

Grundlegend finde ich das Vorgehen sehr geldverbrennerisch, wenn die Datenschutzbehörde der EU auf der einen Seite Vorschriften erlässt, die in immer mehr Bereichen des Datentransfers verlangt, starke und sinnvolle Verschlüsselungstechniken einzusetzen und ein paar Häuser weiter in der EU extra viel Geld in die Hand genommen wird und u.a. sog. Supercomputer angeschafft werden, die diese Verschlüsselungen knacken sollen. Ist das ein Räuber und Gendarm Spiel, das mit Millionen von Steuergeldern finanziert wird?

Jedenfalls verstehe ich es nicht so recht…

Weitere Infos hier:
https://netzpolitik.org/2020/neuer-angriff-auf-ende-zu-ende-verschluesselung/

Freiheit

Was Verkehrsregeln mit Coronaregeln gemein haben

Was haben Regeln in meinem Leben verloren, die mir von außen auferlegt werden, obwohl ich nicht nur mündig, sondern auch erwachsen und vernünftig bin? Das ist doch ein Eingriff in meine Menschenwürde, in mein Freiheitsrecht, leben wir denn in einer unaufgeklärten Gesellschaft?

Regeln, die uns – so wie aktuell die Corona Verordnungen – auferlegt werden, erzeugen in der individualistisch geprägten, westlichen Welt weit mehr Widerstand als in den kollektivistisch geprägten Gesellschaften etwa im asiatischen Raum. Insbesondere, wenn derartige Regelungen neu eingeführt werden. Viele helle Köpfe sehen und stellen die Bereiche in den Vordergrund ihrer Kritik, die persönliche Rechte einschränken. Die Kritik ist vielschichtig, hart und von vielen unterstützt wird sie dann, wenn Deutschlands wunder Punkt getroffen wird: Blind und unkritisch durch Verordnung – also wenig demokratisch – vorgegebenen Regeln zu folgen, sich gemeinschaftlich hinter solch eine Führung zu stellen, zeige erneut, wie es  im Nationalsozialismus möglich war, die Massen zu bewegen. Unkritische Folgsamkeit, der Massenmeinung hinterherlaufen, das war ja die Quelle allen Übels, so höre und lese ich oft in den virtuellen Diskussionen oder höre es vereinzelt auch im echten Leben.

Ich war heute in einem Café in einer dunkelroten Stadt. Es war kein Aufenthalt im Café selbst erlaubt, nur To-Go-Bestellungen wurden aufgenommen und maximal vier Personen, so stand es auf einem großen und deutlich lesbaren Schild vor der Türe geschrieben, durften gleichzeitig in das Café zur Bestellaufgabe betreten. In der kurzen Wartezeit, die ich dort verbrachte, musste der Angestellte sehr häufig diese Bitte lautstark aussprechen und hereindrängende Besucher wieder höflich vor die Türe zitieren. Ich bin mir sicher, dass nicht alle von diesen Besuchern das Schild übersehen haben. Es wirkte mit vier Gästen einfach noch sehr leer und so konnte man sich doch relativ sicher sein, keine Gefahr darzustellen, wenn man selbst auch noch die Schwelle übertrat. Man kann ja eben wohl selbst denken und entscheiden, was gefährlich ist, und was nicht.

Ich stimme prinzipiell zu, was das Denken angeht. Was die Überschreitung der Regel angeht, sehe ich das jedoch anders. Typisch deutsch, kann man meinen, und vielleicht ist das auch so. Aber es gibt gute Gründe dafür. Ich möchte es mit einem alten Satz an Regeln vergleichen, gegen die kaum mehr jemand aufmüpft: die Verkehrsregeln. Wie gefährlich ist denn Verkehr eigentlich: wie oft fahren wir mit zwei Blechtonnen mit Zentimeterabstand aneinander vorbei, also knapp an einem schweren, vielleicht tödlichen Zusammenprall. Wieso passiert das verhältnismäßig selten? Wieso selbst da, wo sich entgegengesetzte Richtungen kreuzen? Da wo sogar Fußgänger, Fahrradfahrer, Autos, Trams und Busse aufeinandertreffen? Weil wir uns stupide an die Regeln halten, die wir in der Fahrschule gelernt haben. An einer roten Ampel bleiben wir stehen. Wie oft aber, ist genau das aber eigentlich sinnlos? Wie oft sehen wir mit unserer Vernunft und Reife, dass wir zu 100% niemanden gefährden, wenn wir die rote Ampel trotzdem missachten? Aber meistens tun wir es ja doch nicht. Wieso? Weil wir kollektiv bereits verstanden haben, dass es nicht funktioniert, wenn wir anfangen, einzelne Situationen selbst zu bewerten und ggf. entgegen der übereinstimmend akzeptierten Regeln zu agieren. Denn wo ist dann die Grenze? Wie lange kann ich dann beruhigt über eine grüne Ampel fahren, mein Kind alleine durch die Stadt laufen lassen?

In einer Gesellschaft in der sich tausende Menschen auf engem, öffentlichen Raum sicher bewegen können sollen, wird von allen auf dieses Stück Freiheit verzichtet. Wie sehr ein/e Einzelne/r auch den Regeln in singulären Momenten widersprechen mag, wie sehr sie/er diese auch nicht akzeptieren mag: wo soll dann bitte der Anfang, wo das Ende sein? Vielleicht sind in dem Café wirklich auch fünf Personen gefahrenlos aufnehmbar. Vielleicht kann ich dann aber auch in der Fußgängerzone die Maske abnehmen, wenn ein starker Wind weht und gerade weniger Menschen unterwegs sind. Dann geht ja aber auch das Treffen mit meiner Großfamilie, denn im Einzelnen sehe ich die ja auch sowieso nach und nach. Und schon beginne ich, jede Situation zu analysieren und meine Entscheidungen selbst zu treffen. Ich mit meinem Laienverständnis von Infektionsketten und Ansteckungsmöglichkeiten. Diese Freiheit muss ich natürlich dann auch jede/r anderen gestatten und ich bin mir sicher, wir hätten bei weitem keine Situation mehr, die wir noch kontrollieren können.

Ich bin sicher kein Verfechter von immer absolutem und blindem Gehorsam und die Einschnitte, die wir jetzt erleben, werden immer – je nach Bevölkerungsgruppe – gravierender. Es läuft auch in meinen Augen vieles schief, Maßnahmen sind in einigen Bereichen nicht wirklich gerechtfertigt, viele (gerade Schulkinder, Mitarbeiter und Inhaber von kleinen Unternehmen in hart getroffenen Bereichen, Mitarbeiter im Gesundheitsbereich u.v.m.). Da muss diskutiert werden, was ja auch ständig passiert. Aber:

Schade und wirklich unverständlich für mich ist jedoch, wieso wir derartige Einschränkungen bewusst oder fahrlässig in Kauf genommen haben, als sich abzeichnete, dass ggf. eine zweite Welle kommen mag. Mit einfachen Mitteln des Schutzes von uns und v.a. anderen hätten wir dieses Level der Maßnahmen sicher niedriger halten können. Aber die Verwirklichung und Einforderung der individuellen Freiheitsrechte wogen bei zu vielen leider mehr als die Beugung vor diesen Schutzvorgaben. Sehr schade, wir sind als Gesellschaft leider noch etwas unreif, scheint mir. Viele ‚Opfer‘ dieser Situation hätten wir vermeiden können, wollten wir aber offensichtlich nicht. 🙁

https://www.tagesschau.de/ausland/china-corona-137.html

Bild 'Aus den Augen verloren'

Ist der Datenschutz noch für uns da?

Datenschutz fußt ja auf dem Grundrecht der informationellen Selbstbestimmung. Einem Recht, das für Menschen da ist, diese schützen soll, in Vertretung für diese deren Ansprüche und Wünsche auf der großen Bühne, auf der der Einzelne nur eine sehr leise Stimme hat, zur Geltung bringen soll.

Die Maschinerie „Datenschutz“ wird immer stärker, gewaltiger und schafft es endlich zu Relevanz im Alltag der Datenströme und Menschenrechte. Spätestens seit der #DSGVO ist der Datenschutz auch im Bewusstsein der weiten Bevölkerungsschicht angekommen. Das ist sehr gut so.

Ich denke jedoch, dass wir uns auch stark der Grenze nähern, ab der sich diese Maschinerie verselbständigt und das eigentliche Ziel aus den Augen verliert. Wie so ein Wachhund, der seine Berechtigung hat, aber irgendwann das Maß verliert und alles, was sich auch nur leicht bewegt, aggresiv angreift. Das sog. #SchremsII-Urteil aus dem Sommer diesen Jahres ist so ein Beispiel.

Bevor an die Leidtragenden gedacht u an gangbaren Lösungen für diese gearbeitet wurde, wurde laut gebellt und zugebissen. Und plötzlich kann niemand mehr in Deutschland und der EU Microsoft Produkte (oder sonstige Software aus den USA, die cloudbasiert ist) nutzen, ohne sich genau genommen strafbar zu machen. Ja, auch wenn ihr privat Outlook aus dem Paket Office 365 nutzt und mir eine E-Mail schreibt, entbehrt das bereits jeglicher Rechtsgrundlage, denn: https://www.heise.de/news/Datenschutzbehoerden-erklaeren-den-Einsatz-von-Microsoft-365-fuer-rechtswidrig-4931745.html

Es wäre wünschenswert, wenn auf Seiten des Gesetzgebers des öfteren ein Gedanke daran verschwendet wird, wem man mit diesem Vorgehen einen Gefallen tut. Sind diejenigen, für die dieses Gesetz geschaffen wurde, noch glücklich damit? Zielt es darauf ab, das auf der großen Bühne auszusprechen, was die/der Einzelne mit ihrer/seiner leisen Stimme nicht vermag? Diese Perspektive fehlt m.E. komplett und das könnte dahin führen, dass der Datenschutz, der in den letzten Jahren einiges an negativem Ansehen gut gemacht hat, doch wieder riskiert und nicht nur für die zu kontrollierenden Instanzen/Staaten als Klotz am Bein empfunden wird, sondern auch für diejenigen, für die er eigentlich da sein soll.

Kontrolle gerade der großen Konzerne ist gut und wichtig, aber mit Maß und Realitätssinn bitte. Sich zu wünschen, mit einer solchen Entscheidung Druck auf US-Software-Konzerne in der Form auszuüben, dass europäische Unternehmen und Privatnutzer jetzt massenweise auf europäische Alternativen setzen und damit den Druck auf die US-Wirtschaft dermaßen erhöhen, dass dort die Politik in die Gänge kommt und von sich aus auf Gespräche und Lösungen mit der EU drängt, das ist weit weg von allen denkbaren praktikablen Szenarien. Leidtragend sind erst mal nur wir, die Bürger und Unternehmen in der EU. Ich bin gespannt, wie lange wir warten müssen, bis eine langfristig haltbare Lösung geschaffen wird, nachdem sowohl dem Privacy Shield als auch zuvor dem Abkommen Safe Harbor je ein nur recht kurzfristiges Leben vergönnt war. Bin also gespannt, wann endlich die EU aktiv auf Problempartner (in diesem Fall die USA) zugeht und auf eine Lösung drängt, mit der Unternehmen und Menschen der betroffenen Länder gut leben können und nicht das eigene Volk instrumentalisiert.

Clodt’s Rache

Wo sind wir?

Wir befinden uns in Russland, genauer gesagt in St. Petersburg. Die Stadt liegt am Delta des Newa und ist daher mit etlichen Brücken verziert. Auch wenn diese dazu beitragen, so sind sie doch nur ein Teil dessen, was der Stadt ihren so eigentümlichen Charakter und Charme verleihen. Literarische (Meister-)Werke beziehen die Brücken der Stadt auch immer wieder mit ein, sie dienen dort aber auch im heutigen Alltag der Menschen oft als Orientierung.

Ich befinde mich jetzt auf der Anitschkow Brücke. Sie gehört wohl zu den bekanntesten der Stadt, was zum einen daran liegen mag, dass sie den Newsky Prospekt über die Frontanka führt. Die Fontanka ist ein linker Nebenarm der Newa und der Newsky Prospekt ist sowas wie die Hauptstraße St. Petersburg und eine der wohl bekanntesten Straßen in ganz Russland. Allein über sie und das, was alles auf ihr passiert ist, lässt sich ein Geschichtskurs füllen.

Die Brücke ist aber auch wegen der vier auffälligen Statuen bekannt, die ihre vier Ecken schmücken. Wie es zu diesen Figuren kam und welches kleine Geheimnis in einer davon steckt, das ist – so finde ich – eine erzählenswerte Geschichte. Und falls jemand von euch mal dort sein wird, habt ihr hoffentlich Spaß daran und schaut wegen dieser kleinen Geschichte etwas genauer hin.

Historischer Hintergrund

Die erste Brücke wurde dort 1715 erbaut, damals noch eine hölzerne Variante. Doch der Prospekt gewann schon früh an Bedeutung und die steigende Inanspruchnahme durch den Verkehr brachte die Brücke an ihre Grenzen und so musste sie ca. 1840 erweitert werden.

Der Name der Brücke sollte unverändert bestehen bleiben und nach dem Erbauer der ersten Variante Anitschkow lauten. Zar Nikolaus I., der den Neubau beauftragte, wurde auf den deutschen Baron Peter Clodt von Jürgensburg (1805-1867) aufmerksam. Zwar leistete Clodt Armeedienst als Offizier, jedoch war dies nicht seine Leidenschaft und so orientierte er sich eines Tages um und widmete sich der Kunst und hierbei bevorzugt der Bildhauerei. Pferde bildeten dabei durchgehend seine heiße Leidenschaft.

Weitere Details zu dem Hintergrund erspare ich mir, sie sind an vielen Stellen nachzulesen. Jedenfalls wurde Clodt engagiert und hat die mittlerweile berühmten Rossbändiger geschaffen, die heute noch die Brücke zieren.

Wofür Rache? Und wie?

Natürlich war Clodt sehr engagiert und hat sich freudig in die Arbeit gestürzt. Er schuf diese sogenannten Rossbändiger, die den Russen so wichtig wurden, dass sie sie während des zweiten Weltkrieges für einige Jahre im Garten des nahegelegenen Antischkow Palastes vergruben, um sie vor den Angriffen der deutschen Artillerie zu schützen. Die Beschädigungen der Sockel, auf denen die Skulpturen stehen, wurden übrigens absichtlich zum stummen Gedenken an diese Zeit so belassen und können noch immer betrachtet werden.

Jedenfalls war Clodt in der Schaffungsphase sicher nicht mir viel Freizeit gesegnet und es existiert die – nicht belegte – Geschichte, dass seine Gemahlin in dieser Zeit einen Verehrer hatte und ihren Mann mit diesem betrog. Um sich an diesem Liebhaber seiner Frau zu rächen, entschied er sich, dessen Gesicht an dem Hoden eines der Rösser anzubringen.

Wenn ihr mal dort seid, gönnt euch den Spaß und sucht das Gesicht. Auf dem Bild ganz oben ist es relativ gut zu sehen. Ich verrate aber nicht, bei welchem Ross es sich befindet. Schlimmsten Falles müsst ihr alle vier Skulpturen abklappern. Aber seid beruhigt, die Brücke ist nicht so groß.

Grundlegend macht St. Petersburg Lust auf Kunst, da diese oft mit heiteren Geschichten und spannenden Geschehnissen verbunden ist. Vielleicht schreibe ich euch auch mal, wieso einige Nasen in der Stadt verstreut sind…

Deutsche Cloud Anbieter sind die besten – yay! …

Soeben habe ich diesen Artikel gelesen: Deutsche Cloud Anbieter

Die Stiftung Warentest hat hierbei Cloud-Anbieter getestet und als Sieger gingen der Online-Speicher von Web.de und die Magentacloud der Telekom hervor. Diese hängten sogar die Größen wie Google Drive, Dropbox, iCloud oder OneDrive ab. Ist das nicht überraschend?

Jedoch muss natürlich auch verstanden werden, wieso das so gekommen ist. Beim Weiterlesen wird klar, dass Datenschutzrichtlinien den Ausschlag geben. Mängel in der Datenschutzerklärung, den Nutzungs- oder Geschäftsbedingungen sorgen dafür, dass in diesem Ranking, diejenigen mit der besten Handhabungsnote und sehr guter Technik auf die letzten Plätze geschubst werden.

Ich hoffe, das sorgt nicht dafür, dass sich die deutsche Technik nun auf diesem Datenschutz-Texte-Vorsprung ausruht. Ich weiß nicht, wie es in eurem Bekanntenkreis ist: kennt ihr jemand, der die Web.de-Cloud nutzt? Ich kenne iCloud-Nutzer, Google Drive Nutzer, Dropbox-Nutzer.

Hier zeigt sich wieder das dicke Grundproblem der Datenschützer: es ist eine sehr schwere Aufgabe, Nutzer davon zu überzeugen, sich vor etwas schützen zu lassen, vor dem sie gar nicht geschützt werden wollen. Was nutzt mir denn ein guter Datenschutzhinweistext, wenn ich meinen Cloudspeicher nicht gut in anderen Services integrieren kann? Handhabung und Technik, die mir die Nutzung Platformübergreifend so einfach wie möglich machen, das sind die Dinge, die überzeugen.

Ich finde in diesem Test einfach die Gewichtung auf der Datenschutz-Info-Seite zu stark und demzufolge halte ich es für albern hier mit dem Titel „Die besten Clouds kommen aus Deutschland“ anzukommen. Denn für mich sind sie das bei weitem nicht. Noch nicht, es gibt ja Hoffnungsträger…

A bis Zett

Alles
Bereit
Dauernd
Ewig
Forderungen
Helfer
Immer
Karaoke
Lust
Monetär
Nichtig
Oligarch
Push
Qualle

…zu offensichtlich?

Ich Behindi ich

Ich bin weiß, männlich, schwarzhaarig und behindert. Das sind alles Merkmale, die mich beschreiben. Ich könnte noch detaillierter werden und das allgemeine ‘behindert’ auflösen indem ich sage, dass mein linker Arm gelähmt ist. Da es aber unendlich viele Arten von Behinderungen gibt, bin ich froh über diesen zusammenfassenden Begriff ‘behindert’.

Wir haben alle einen Körper und einen Geist. Diese können i.d.R. grundlegende Aufgaben, über die ein Konsens herrscht, erledigen. Passiert irgendetwas, was die Entwicklung von diesem üblichen Weg abweichen lässt (genetische Veränderung, Unfall, Krankheit, etc.) dann kann es dazu führen, dass wir Einschränkungen in unserem Leben feststellen und diese irgendwie überwinden müssen. Unser Körper oder unser Geist funktioniert nicht mehr so, wie es der fehlerfreie biologische Plan eigentlich vorgesehen hatte. Es entstehen Hindernisse, sie behindern uns, wir sind behindert.

Warum sage ich das? Weil ich als behinderter Mensch auch gerne als solcher bezeichnet werde. Ich möchte nicht mit irgendwelchen Euphemismen beschrieben werden. Ich bin wegen meiner Behinderung kein besonderer Mensch, ich bin nicht ein herausgeforderter Mensch, ich bin kein Sonnenkind. Nein, ich bin wie jeder andere ein Mensch mit Eigenschaften, die mich definieren. Ich mag dieses Gefühl nicht, wenn ich merke, dass jemand denkt, er müsse hier ein Synonym finden, weil es ja so schlimm und bemitleidenswert ist, es direkt auszusprechen. Das macht mich gefühlt noch eingeschränkter und ausgegrenzter, ich finde das schlimm! Meinen linken Arm nicht benutzen zu können, ist einfach eine Be-Hinderung. So wie ich Menschen mit schwarzer Haut gerne “Schwarze” nennen möchte, Menschen mit weißer Haut “Weiße”, so wie ich Menschen mit Vagina und Busen “Frauen” nenne und Menschen unter 12 Jahren auch “Kinder”, so möchte ich einen zusammenfassenden und eindeutigen Begriff für Menschen mit Behinderung haben und benutzen dürfen. Wir sind Behinderte!

Diese Tendenz, in einer klaren und direkten Bezeichnung einer Eigenschaft, die uns von vielen anderen unterscheidet, eine Diskriminierung zu sehen und deshalb daraus ein Wort zu schmieden, das wie ein Lob klingt, das halte ich offen gesagt für jämmerlich und ich als einer dieser Behinderten fühle mich dadurch noch schlechter und minderwertiger. Ich freue mich wenn wir wertfrei Eigenschaften bezeichnen können und so unsere alltägliche Welt nicht in Metaphern und Synonyme verpacken. Wir sind alle unterschiedlich, lasst uns das feiern und nicht danach trachten, die Unterschiede wegzubügeln.

Warum ich nicht blogge, obwohl ich viel zu erzählen hab

Ich weiß nicht ob es noch jemanden da draußen gibt, der/die mein Weblog verfolgt. Wohl kaum, was ja auch nicht verwunderlich ist, bei der Frequenz mit der hier Texte entstehen. Eigentlich ist es ja schon zu viel überhaupt von einer Frequenz zu reden.

Damals, als Weblogs noch relativ neu waren und wir alle einfach aus Lust an der Freude damit anfingen, damals als ich noch unter dem Pseudonym Iwi und dem Blogtitel „Iwi’s Exit“ bloggte, da war ich noch aktiver und hatte auch noch eine zwar kleine aber treue Leserschaft. Damals aber – anders als heute – waren das kaum Themenblogs. Jeder schrieb so was ihm/ihr in den Kopf kam, über Kuriositäten aus dem Alltag. Irgendwie nur das Ziel verfolged, interessant, unterhaltsam oder lustig zu sein, aber einen roten Themenfaden gab es eher selten. Das kam später.

Jetzt gibt es sie, die Themenblogger. Nerds, Politikexperten, Behinderte, Homosexuelle, Selbstmordaffine, Kranke, jeglich nur denkbare Sportart ist mit Bloggern am Start, Eltern, Alleinerziehende und noch vieles mehr. Das ist toll, denn so gibt es Mehrwert und Austausch für andere. Mehrwert in Form von tiefem Einblick in Lebensumstände die man sich nicht einfach per 1 plus 1 zusammenzählen kann und Austausch weil Menschen mit gleichen oder ähnlichen Situationen natürlich oft die auf ähnlich geartete Schwierigkeiten stoßen.

Ich bin irgendwann ausgestiegen. Mein Leben hat sich von der geplanten Spur vor viereinhalb Jahren verabschiedet und eine nicht geplante Richtung eingeschlagen. Auch wenn die Gründe für mein reduziertes Schreiben schon vorher begannen, aber das wären zu viele Details.
Meine damalige Frau und ich haben uns getrennt und so lebe ich ca. 12 Kilometer entfernt von ihr und unserem Sohn, der damals noch drei und heute acht Jahre alt ist. Ich bin also ein getrennt erziehender Vater. Mein Sohn hat auch hier ein Zimmer in meiner Wohnung und ich sehe ihn weit häufiger als nur alle 14 Tage am Wochenende. Ich bin auch an zwei Abenden während der Woche direkt nach meiner Areit bei ihm und durchlebe mit ihm das Abendprogramm bis zum Vorlesen der Nachtgeschichte und ins Bett bringen. Die Schulferien teilen wir uns über das Jahr 50/50 auf, ich verbringe also auch fast meine gesamte Urlaubszeit mit ihm. Das ist wunderschön und ich bin auch sehr dankbar dafür, dass ich mit meiner Ex-Frau jetzt mit diesem Abstand gut auskomme und unsere Absprachen vernünftig verlaufen.

Aber es war unbedingt nötig für mich, dass ich neben meinem 40stündgen Haupberuf noch einen möglichst lukrativen Nebenberuf aufnahm, um die Kosten, die bei uns anfielen (ich sah uns immer noch als eine finanzielle Dreiergemeinschaft), stemmen zu können. Glücklicher Weise hatte ich den quasi bei der Trennung schon und musste ihn nur noch festigen, um mit einem sicheren monatlichen Zusatzeinkommen dazustehen, was mir zum Glück auch gelang.

Natürlich hat dies aber auch Nebenwirkungen, über die ich viel schreiben könnte. Die Folgen von etwa 60 Stunden, die ich im Schnitt in der Woche arbeite. Jedes zweite Wochenende und zwei Abende pro Woche fallen dafür aus, das ist Sohnzeit. Die restlichen drei Abende während der Woche und das jeweils andere zweite Wochenede müssen für den Nebenjob und den Haushalt herhalten. Das Aufkommen in diesem Nebenjob ist nicht gleichbleibend. Teilweise sitze ich bis nach Mitternacht an meinem Rechner und arbeite. Teilweise aber auch nicht so lange und ich kann rechtzeitig ins Bett.

Ich habe mich so eingerichtet – dafür habe ich aber auch etwas gebraucht – dass ich sogar noch zwei Hobbys nachgehen kann. Ich spiele Tischtennis und fotografiere sehr gerne. Nach etwa zwei Jahren ohne Freizeitausgleich habe ich gespürt, dass ich diesen Lebensstil nicht mehr lange aufrecht erhalten kann. Beide Hobbys sind mir sehr wichtig. Sport für mein körperliches Wohlbefinden und die Fotografiererei um etwas kreatives mit Ergebniserfolg zu schaffen als mentalen Ausgleich für meinen so anders gearteten Job.

Luft um auch meine Couch kennenzulernen bleibt mir nicht, aber damit finde ich mich ab, das Opfer bringe ich gerne für mein Leben mit großem Sohnanteil und Platz für meine Hobbys.

Wie ich damit umgehe, dass ich mich phasenweise nah am Abgrund des Ausbrennens befinde und es schaffe, meinen Sohn von der bis zur Freudlosigkeit tendierenden Energielosigkeit nichts merken zu lassen. Wie ich damit umgehe, dass ich es bereits aufgegeben habe, eine Frau als Partnerin in mein derartiges Leben zu integrieren. Wieso ich einige Freunde wiederholt enttäusche, weil ich keine Zeit für sie habe – sie sagen, ich könne doch auch mit meinem Sohn vorbei schauen, ich will dies oft aber nicht, was auch mit meiner Situaion als der getrennt Erziehende zu tun hat, der das Kind seltener bei sich hat. Was es überhaupt heißt, als Vater das Kind nicht so oft zu sehen als der Mann, der in das Leben meiner Ex-Frau getreten ist. Das sind nur die großen Themen, über die ich schreiben könnte und von denen ich den Eindruck habe, dass sie noch nicht so stark vertreten sind im Netz 3.0 (oder sind wir schon 4.0 und ich habs verpasst? 😉 ). Darüber hinaus gibt es noch viele kleinere Begleiterscheinungen und Themen, mit denen ich mich und mein Verhalten vielleicht hinterfragen könnte, für mich aber Erklärungen gefunden habe, über die ich auch berichten könnte.

Aber ich habe mich entschieden. Die Zeit, die mir neben der einen unumgänglichen Sache (Jobs) und der wirklich wichtigen Quelle an Lebensenergie (mein Sohn) bleibt, möchte ich auf Sport und Fotografie verwenden. Für Schreiben habe ich einfach keine Energie mehr übrig und keinen kreativen Freiraum mehr.

Ich weiß nicht, wie es ist, wenn mein Sohn älter wird. Sicher will er irgedwann in seiner Freizeit mit seinen Freunden rumhängen und nicht Abends Besuch vom Papa bekommen, der ihn schon gar nicht ins Bett zu bringen braucht. Auch wird er wohl kaum jedes zweite Wochenende hierher kommen, wenn seine Clique natürlich dort entsteht wo Schulfreunde und Alltag sind. Ich scheue mich ein wenig vor dieser Zeit, aber sie wird kommen. Ich hoffe, dass es so ist wie mit jeder Phase bisher. In dem Moment des Hereinbrechens werde ich bereit sein und es wird für mich so in Ordnung sein, wie es dann ist. Diese Erfahrung entspannt zum Glück.

Wer weiß in welcher Phase die Bloggerei dann ist, vielleicht ist das ein drittes Hobby, das einem alten Germanistikabsolventen doch wieder Freude macht und ich nehme es wieder auf. In der Zwischenzeit werde ich wohl die Frequenz der letzten vier Jahre kaum erhöhen können.Alleewalk

Empirie hinterfragt

Ihr kennt diese typischen Fragen von Kindern ja sicher alle. Mein Sohn stellte neulich eine solche:
„Papa, kannst du bis 1 Million zählen?“
„Ja kann ich“
„Und bis 100 Millionen?“
„Das dauert bestimmt lange, aber ja, kann ich auch.“
„Und bis 1.000 Millionen möchte ich wissen?“ (Die Milliarde kennt er noch nicht so richtig)
„Bestimmt auch“

Er sah dann auf einmal etwas nachdenklich drein und fragte, ob das schon mal jemand gemacht hat. Ich meinte ich glaube wohl kaum, dass sich jemand die Zeit für ein schlichtes Zählen bis zu einer Milliarde ohne weiteren Grund nehmen wollte. Ich hätte da auch keine Lust meine Zeit so zu vergeuden. Das würde sicher Tage dauern, meinte ich. Hier hakte er wieder ein. „Wie viele Tage denn?“

Und da habe ich angefangen zu überlegen. Wie könnte ich das am besten berechnen? Ich habe mich für eine ungefähre Milchmädchenrechnung entschieden, denn Geduld ist auch nicht gerade seine größte Stärke. Ich habe gestoppt, wie lange ich zum Aussprechen einer sechstelligen Zahl brauche. Nagelt mich nicht fest, aber ich habe 173.226 ausgesprochen und die Stoppuhr hielt bei genau 2,0 Sekunden. Um bis zu einer Milliarde zu zählen, ist das im Schnitt eigentlich noch zu kurz angesetzt, ich weiß, denn viel mehr Zahlen sind länger, brauchen also mehr Zeit zum Aussprechen, als diese. Trotzdem, damit habe ich gerechnet, wohlwissend, dass man in Wirklichkeit länger brauchen wird, als mein Ergebnis aussagen wird.

Also los geht’s:
2 Sek x 1.000.000.000 = 2.000.000.000 Sek (bis hierher übrigens ohne Taschenrechner)
In Stunden ist das:
2.000.000.000 Sek / 60 / 60 = 555.555,5556 Std.
Ich gehe davon aus, dass kein Mensch länger als 8 Stunden pro Tag durchzählen können wird. Also steht das für so viele 8-Stunden-Tage:
555.555,5556 / 8= 69.444,44444 Tage
Spätestens hier wurde klar, worauf das hinausläuft. Denn in Jahre umgerechnet sind wir dann bei:
69.444,44444 / 365 = 190,26 Jahre

Dass dies immer noch optimistisch ist, ist denke ich auch klar. Nicht berücksichtigt bleiben Krankheitstage, Verzählen, sicher ab spätestens 10 Millionen auftretende psychische Störungen und bestimmt noch so einiges mehr.

Meine Aussage war also, dass man mindestens 190 Jahre braucht, um bis zu 1 Milliarde zu zählen. Das habe also sicher noch niemand gemacht, denn der älteste Mensch der Welt wurde so 120, warf er gleich ein. Sein Fazit: also gibt es niemanden, der bis 1 Milliarde zählen kann, du auch nicht!

Tja, da hatte er wohl recht. Auch die Behauptung, dass man wenigstens wüsste, wie es geht, wollte er jetzt nicht mehr gelten lassen, denn man kann es ja nicht ausprobieren. Ohne empirischen Beweis war jetzt kein Durchkommen mehr.

Ich bin jetzt auch schlauer, denn ich hätte bis dato durchaus gedacht, dass das theoretisch möglich ist. Ist es aber nun mal offensichtlich nicht, da unser kurzes Leben nicht ausreicht um bis zu 1 Milliarde zu zählen. Pah!