Ur-Tanz

Wie bereits erwähnt, habe ich eine 16 Monate junge Nichte. Was mir an kleinen Kindern unter vielem anderem so gut gefällt, ist die Tatsache, dass sie Dinge tun, die nicht durch irgendwelche Regeln bestimmt sind. Es gibt in ihrem Kopf kein ‚das macht man halt so‘, und das is ne Basis für echte Kreativität. Eine Sache, die Zusammensein mit Kindern so schön macht und wodurch wir Großen oft etwas neidisch werden können.
So ist es etwa auch sehr schön mit anzusehen, wie sie auf bestimmte Töne oder Musik reagiert. Sie will Musik haben, fordert es immer mal zwischendurch. Und wenn sie richtig von dem, was sie hört, ergriffen wird, dann beginnt sie zu tanzen. Von außen betrachtet sieht es immer so aus, als würde wirklich ein Schalter in ihr betätigt, denn egal ob sie gerade einfach geht, trinkt, spielt oder sich augenscheinlich auf andere Dinge konzentriert, wenn sie tanzen muss, dann muss sie eben tanzen, und dann kann sie auch nix davon abhalten. Am ehesten passiert das bei Musik oder Tönen, die quasi live von irgendjemandem hier im Haus gemacht werden. Das allerschönste dabei ist ihr Tanzen selbst, wobei es schon eine Entwicklung nachzuzeichnen gibt:
Die ersten Tänze waren von kurzem und ruckartigem in-die-leichte-Kniebeuge-fallen geprägt. Dieses im Takt wiederholt und mit ihren neugierig blickenden Augen ist ein wahrer Genuss. Dabei habe ich immer den Eindruck, dass sich die Neugier nicht ausschließlich auf die Musik richtet, die sie eben hört. Ich glaube, sie ist gefangen von der ganzen Situation und ihre Aufmerksamkeit und Neugier wird in gleichem Maße von ihr selbst bzw. ihrem Körper gefangen. Ein Naturwunder, das sie gerade entdeckt: ‚ich beginne zu tanzen wenn diese mehr oder weniger geordneten Geräusche kommen‘.
Es blieb nicht bei dieser einen Tanzbewegung. Nach einiger Zeit hatte es auch den Oberkörper erfasst und sie begann eine Art Flatterbewegung mit leicht abgespreizten Armen zu machen. Erst nur getrennt, mal Kniezucken, mal Armflattern, aber dann auch mal in Kombination. Mich hat es manchmal an ein Huhn erinnert, das gern mal fliegen will, es aber einfach noch nicht schafft. Obwohl kein Moment der Verzweiflung zu sehen war, sondern die Freude nur noch größer zu werden schien, vielleicht einfach dadurch, dass jetzt viel mehr Körper aktiviert ist und gößere Bewegungen auch größere Effekte verursachen können. Vielleicht fliegt sie ja dabei doch auf eine bestimmte Weise.
Nun gut, eine letzte Stufe fehlt noch und diese legt nahe, dass mein Eindruck mit dem Versuch zu Fliegen nicht so gefehlt war. Sie findet Gefallen an diesem Armflattern und beginnt dazu zu rennen. Eben so wie ein Flugzeug, und bissi hebt sie dabei bestimmt auch ab… Neben der Tatsache, dass sie zu tanzen beginnt, wenn Musik ertönt, entdeckt sie anscheinend auch noch, dass ihr dieses Tanzen gut tut. Ich glaube, sie hat noch nie ein Flugzeug oder einen Vogel bewusst wahrgenommen, aber sie weiss schon, wie sie sich selbst in die Höhe bringt und macht es einfach wenn ihr danach ist. Wie schön und beneidenswert!

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