Bad end of S.

S. ist ein Mann von etwas über 30 Jahren. Das sieht man ihm nicht an, man kann übergaupt schwer sein Alter schätzen, aber er sieht gerade sehr viel älter aus. Er hat Krebs und steht kurz vor seinem Ableben. Die Gewissheit, dass er sterben wird, die hat er schon ein knappes Jahr lang, seit einigen Monaten kann er sich auch so gut wie gar nicht mehr selbständig bewegen, ist bettlägrig und wartet. Es ist ein einziges, ein großes Warten, ein Hoffen, dass er diese Schmerzen bald nicht mehr ertragen muss und auch dieses lästig gewordene Leben, wenn diese Bezeichnung überhaupt noch gerechtfertigt ist. S. wird immer häufiger von Hustenanfällen geplagt, die offensichtlich zum Ersticken führen würden. Das würden sie vielleicht wirklich, wenn nicht immer kurz zuvor doch wieder eingegriffen würde. Da gibt es Mittel, die dieses Warten noch verlängern. Er wird dann ins Krankenhaus gebracht, bis er wieder soweit hergestellt ist, dass er zurück in sein Bett zu Hause entlassen werden kann. Jeder weiss, dass ein solcher Anfall wieder kommen wird und dass S. dann wieder ins Krankenhaus muss, um nochmal – vollgestopft mit Morphium und zig anderen Chemikalien – aufgepeppt zu werden.
Dieses (Ab)Leben wird bestimmt und einer wird dabei gar nicht gefragt: S. Er ist mittlerweile immer mehr von seinen Freunden, auch seiner Familie enttäuscht. Wenn man ihm gegnüber in irgend einer Form zum Ausdruck bringt, dass man ihn mag, dann nimmt er dies nicht mehr an. Wenn das so wäre, dann würde man ihm seinen Wunsch gewähren. Er will nicht ins Krankenhaus, er will endlich zu Hause bleiben und wenn es soweit ist, dass er eigentlich sterben soll, dann will er das zulassen. Doch ist die Mutter zu schwach wenn sie ihn sich zu Tode husten sieht. Sie ruft den Arzt. Dieser ist natürlich nicht mehr in der Lage, dies aus seinem Notarztköfferchen zu lindern und verweist ihn ins Krankenhaus, immer und immer wieder. S. muss sich der Bestimmung anderer über sein Leben fügen, er ist zu schwach, sich zu wehren, kann nicht, wie jeder andere körperlich gesunde Mensch selbst dafür sorgen, dass sein Leben ein Ende hat. Wenn er könnte, so hätte er sicherlich schon längst…
Weniger Rechte, über sich selbst zu bestimmen. Obwohl ihm jeder vernünftige Mensch in seinem Umfeld ein baldiges Ende wünscht wird er weiter entmündigt und irgendwas, irgendwer, etwas nicht greifbares widerspricht und hat mehr Macht.

Das ist nicht fair!

edit: er hat es geschafft: er ist zu Hause und nimmt Abschied…

2 Gedanken zu „Bad end of S.

  1. Rotfell

    So etwas ist sehr schlimm. In Deutschland ist die aktive Sterbehilfe leider verboten, wobei man da wirklich in Frage stellen muß, ob das dem Gedanken des Altruismus entspricht. Das Problem ist einfach: wo zieht man die Grenze?

    S. erlebt das gleiche Folterwerk der modernen Medizin wie meine Großmutter. Daher weiß ich, wie bitter das für den Betroffenen und die Angehörigen sein kann. Wer will denn die Entscheidung treffen, einen geliebten Menschen sterben zu lassen? Und vor allem: wenn es denn tatsächlich mal wieder akut ist, krallt sich der Kranke selbst häufig verzweifelt an sein Leben aus Angst vor dem Unbekannten, was danach kommt.

    Das ist ein sehr schwieriges Thema…

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  2. Etosha

    Ist unterlassene ‚Sterbeverhinderung‘ gleich aktive Sterbehilfe? Was ist mit Verfügungen, die man als Patient erlassen kann? Es ist falsch verstandene Nächstenliebe, zu verhindern, dass jemand gehen darf, wenn es anderen Menschen als dem Kranken zuliebe geschieht.

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