Living Power Point

Der Inhalt und die Form. Diese zwei Pole bestimmen unser Leben in vielen – wenn nicht sogar in allen – Bereichen. Sowohl auf der Ebene der Persönlichkeit und deren Entwicklung, die sich durch das gesamte Leben zieht, als auch zum Beispiel im Berufsalltag. Wir müssen erstens ‚zeigen‘ und zweitens ‚dass wir etwas können‘. Das eine die Form, das andere der Inhalt.
Ich persönlich habe mich lange Zeit geärgert und dagegen gewehrt, dass immer auch diese ‚doofe‘ Form stimmen muss, habe mich aber mittlerweile damit abgefunden. Wenn wir Menschen uns Bilder von unseren Mitmenschen machen, dann kommen wir einfach nicht aus ohne den ersten Eindruck, ohne zu sehen, wie dieser andere Mensch sich etwa im Vergleich mit anderen durchschlägt. Mit all diesen Förmlichkeiten malen wir uns ein Bild von dem anderen, das – obwohl noch ohne Inhalt – eine Meinung und erste Wertschätzung bereits manifestiert.
Ich habe also mittlerweile akzeptiert, dass Form auch wichtig ist. Aber es gibt in unserem Land, und mit Sicherheit nicht nur hier, eine Entwicklung, die sich ganz stark zu diesem einen Pol, zu der Form hin, verschiebt. Egal ob es ein Big Brother ist, wo sich vor Jahren schon ein Selbstdarstellerkönig Zlatko als authentischer ‚ich bin wie ich bin‘-Kerl präsentierte, damit den Nerv so manches Gleichgesinnten traf und so kurze Zeit auch kleinere Erfolge verbuchte. Oder die vielen Casting-Shows. Beispiel ‚DSDS‘: Wie soll ein Daniel Küblböck denn so erfolgreich werden, ohne eine Gesangsstimme zu haben und ohne Töne wirklich zu treffen (kein Musiker wird mir hier widersprechen), wenn sich die Bedeutung der Form, der Präsentation nicht so sehr nach vorne verschoben hätte? Oder man lege mal die unterschiedliche Bewertung der Bereiche Performance und Gesangsausbildung beim ‚Popstars‘-Casting auf die Waage – welche Seite wird gravierend ausschlagen? Die von D angeführte natürlich!
Gleiches sehen wir jetzt aktuell in der Politik. Nach dieser Bundestagswahl, bei der keine der Großen Parteien zufriedenstellen konnte, feierten sich am Wahlabend doch alle als Sieger. Was die Zahlen sagen, ist unseren Vertretern ja letztlich nicht wichtig gewesen, sie wissen aber genau, dass man sich nur als Sieger darzustellen braucht um letztlich auch als Sieger den Schauplatz zu verlassen.
Vorbildfunktion hin oder her, es werden uns Werte vorgelebt, die offensichtlich zum Erfolg führen (können) und so werden immer mehr Menschen aus dem Gleichgewicht zwischen diesen beiden Polen hinausgeworfen und es entstehen Zlatkos, Küblböks, D’s…..

Gerd+Münte

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