Wo ist die Rose?

Liest jemand gerne Eco? Ich schon, ab und zu zumindest. Wobei ich eigentlich erst zwei Romane von ihm gelesen habe: ‚Die Insel des vorigen Tages‘ und ‚Baudolino‘. Ich habe noch keinen getroffen, der von ihm begeistert wäre, eher wird er oft für etwas sehr angestrengt intellektuell gehalten, die eigentlichen Geschichten für letztlich wenig spannend.

Ich dagegen fand das bisher gelesene schon immer recht interessant, oft sprachlich etwas spielerisch, zugegeben machmal etwas übermäßig gehoben im Stil, aber wie gesagt: ab und zu ganz schön.

Eco ist Universitätsprofessor für Literaturwissenschaft und auch auf diesem Gebiet sehr produktiv. Wer Germanistik studiert wird nicht an ihm vorbei kommen und wissenschaftliche Arbeiten von ihm kennenlernen. Er beschäftigt sich da zum Beispiel viel mit Interpretationstheorien. Die Frage nach dem Verhältnis einer äußeren Ebene zu einer inneren bildet in vielen Bereichen seiner Forschungen den Motor. So hat er Grundlagenwerke zu Semiotik geschrieben, Verhältnisse von Autor und Text erforscht usw. Ein Stichpunkt, der auch oft bei ihm vorkommt: Intertextualität!

Vielleicht fällt es ihm beim Schreiben eines Romans ja auch mal schwer, die Distanz zum Professor einzuhalten, und dann kommt er vielleicht gefährlich nah an Bereiche, in denen er fachsimpelt und die Geschichte aus den Augen verliert. Ich fand bisher, dass er hier die Balance doch immer sehr gut im Griff hatte. Jetzt aber lese ich ein Buch, in dem er hier aus den Fugen gerät, wie ich meine. ‚Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana‘ fängt sehr interessant an: ein etwas älterer Mann verliert durch eine Krankheit oder einen Unfall (die Ursache habe ich noch nicht erfahren) sein persönliches Gedächtnis. Er kann sich an alles erinnern, was er gelernt hat, was er aber emotional erlebt hat, seine Erfahrungen, die sind weg. Er kennt seine Familie nicht, aber er weiß noch, wie man sich die Zähne putzt. Er weiß, wann Napoleon geboren wurde, aber nicht, dass er schon Enkelkinder hat. Er ist ein sehr belesener Mann, handelt mit Büchern, und diese sind es jetzt auch, die in gewisser Weise eine Brücke zu seiner vergessenen Vergangenheit schlagen. Vieles in seinem Alltag definiert der Protagonist über Werke, an die er sich erinnert. Dauernd fallen ihm passende Zitate ein, und genau hier kommt Eco leider allzu oft an den Punkt, dass er Intertextualität sich um ihrer selbst Willen ausbreiten lässt und über viele Seiten vergisst, dass er ja eine Geschichte erzählen will. Diese Abschweifungen nehmen immer größere Ausmaße an und ich überlege seit ca 50 Seiten, ob ich das Buch weiterlesen soll, denn seit dann erfahre ich nur, wie belesen und auch kunsthistorisch gebildet Eco sein muss, wobei ich daran noch nie gezweifelt hatte und mich Beweise dafür eher kaum interessieren.

ieses Buch hat nicht zufällig schon jenand gelesen, und kann mir – ohne Details zu verraten – sagen, ob es sich lohnt?

Jetz hab ich mir grad die Rezensionen bei Amazon angesehen…die machen wenig Mut. Trotzdem, jetzt les ich noch ein wenig…

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